Themen zur Tierernährung
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4. Stehen wir vor einem einschneidenden Wandel in der Erzeugung
tierischer Nahrungsmittel?

Nach Darstellung der Rahmenbedingungen, die deutlich gemacht haben, dass die zukünftige Entwicklung der Schweinehaltung und der Schweinefleischproduktion Deutschlands sinnvoll nur in einem internationalen Umfeld betrachtet und bewertet werden kann, soll nun in einem kurzen Exkurs der Frage nachgegangen werden, welche Trends sich im Rahmen der Erzeugung tierischer Nahrungsmittel abzeichnen.

Produktionssysteme für Nahrungsmittel unterliegen einem beständigen Wandel, der vor allem von der sich verändernden Nachfrage gesteuert wird. Welche Anforderungen von den Konsumenten an die Nahrungsmittel gestellt werden, ist eng gebunden an ihre Kapitalverfügbarkeit. Mit wachsendem Einkommen werden Ansprüche an Nahrungsmittel formuliert, die in Gesellschaften mit geringem Einkommensniveau kaum eine Rolle spielen. Letztere lassen sich vor allem von den Aspekten Verfügbarkeit, Preis und Geschmack leiten. In den hochentwickelten Industriestaaten sind gerade in jüngster Zeit die Gesichtspunkte Produktsicherheit, Dokumentation der Herkunft, Umweltverträglichkeit der Produktion und Einhalten der Richtlinien des Tierschutzes stärker in das Blickfeld getreten. Es stellt sich die Frage, welche Entwicklungsrichtungen sich abzeichnen und wie die Primärproduzenten und die Nahrungsmittelindustrie darauf reagieren.

Im Jahr 2000 haben einige internationale Fachtagungen stattgefunden, die sich eingehend mit der Frage beschäftigt haben, wie denn zukünftige Produktionssysteme in der Nutztierhaltung, insbesondere der Schweinehaltung, aussehen könnten.


Es konnte eine generelle Übereinstimmung bei den Referenten und Diskussionsteilnehmern dahingehend festgestellt werden, dass tierische Nahrungsmittel sich in Zukunft nur dann auf dem Markt absetzen lassen werden, wenn der Käufer von der Sicherheit des von ihm gekauften Produktes überzeugt ist und die Herkunft zurückverfolgen kann, einfach ausgedrückt, von der Zucht bis zur Ladentheke. Diese Forderung wird sich nur in geschlossenen Produktionsketten realisieren lassen, so dass von einem tiefgreifenden Wandel in den Organisationsstrukturen ausgegangen werden muss.

Aus der noch anhaltenden Diskussion kann geschlossen werden, dass vor allem folgende Aspekte den Wandlungsprozess steuern werden:

  • Die erhöhte Sensibilisierung der Konsumenten für ernährungsbedingte Erkrankungen;
  • das wachsende Interesse der Konsumenten an Fragen der Einhaltung der Richtlinien des Tierschutzes in der Nutztierhaltung;
  • das zunehmenden Interesse der Konsumenten an der Frage, ob auf allen Stufen des Produktionsprozesses möglichst geringe negative Auswirkungen auf die Umwelt aufgetreten sind;
  • die Möglichkeit, aufgrund des bio- und gentechnologischen Forschungsfortschritts Nahrungsmittel entsprechend den individuellen Anforderungen der Konsumenten zu erzeugen.

Primärproduzenten und die Nahrungsmittelindustrie werden sich an diesen Wandel im Konsumentenverhalten anpassen müssen. Zum einen werden sie Produkte entwickeln und im Markt anbieten müssen, die der Nachfrage begegnen, zum anderen wird eine Neuorganisation der Produktionssysteme einzuleiten sein. Rückverfolgbarkeit und Dokumentation des Produktionsprozesses werden an Bedeutung gewinnen. Um diesen Standard garantieren zu können, müssen geschlossene Produktionssysteme installiert werden, die alle Elemente in der Erzeugung eines Nahrungsmittels vertraglich aneinander binden.

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