|

13 / 13
6. Zusammenfassung und Ausblick
Versucht man eine abschließende Bewertung der gefundenen Ergebnisse,
dann kann folgendes festgehalten werden:
- Die zukünftigen
Chancen eines der führenden Länder in der Schweinefleischproduktion,
das Deutschland zweifellos ist, müssen in einem internationalen,
ggf. sogar globalen Rahmen gesehen und bewertet werden.
- Einer vergleichsweise
günstigen Struktur in der Primärproduktion, zumindest in
den Zentren der Schweinehaltung, stehen bislang kaum abgestimmte Strategiekonzepte
gegenüber, die auf den Aufbau geschlossener Produktionssysteme
ausgerichtet sind. Diese sind aber eine unbedingte Voraussetzung,
wenn man sich auf Dauer im internationalen Wettbewerb behaupten will.
- Nicht mehr mit
einer undifferenzierten Massenware, die beliebig substituierbar ist,
wird auf Dauer Geld verdient werden, sondern mit auf spezifische Marktsegmente
ausgerichteten Produkten, die der veränderten Nachfrage der Konsumenten
in den nachindustriellen Dienstleistungsgesellschaften begegnen. Es
wird vor allem darauf ankommen, in die Produktentwicklung zu investieren
und den Anteil der SB-Ware und der Convenience-Produkte zu erhöhen.
- Um im Markt erfolgreich
operieren zu können, wird es über die Bereitstellung eines
qualitativ hochwertigen Produktes notwendig sein, den Nachweis zu
erbringen, dass es auch in einem Hochverdichtungsraum der Nutztierhaltung
möglich ist, hohe Produktionsleistungen in umweltverträglicher
Weise zu erbringen. Hier müssen z.T. neue Wege beschritten werden,
um der vorliegenden Überversorgung mit Wirtschaftsdünger
zu begegnen.
- Das große
Ferkeldefizit in einigen Hochburgen der Schweinehaltung stellt auf
Dauer ein extrem hohes Seuchenrisiko dar. Hier sind Strukturveränderungen
einzuleiten, die zu einem ausgewogeneren Verhältnis zwischen
Zuchtsauen- und Mastschweinehaltung führen. Dies wird sich ggf.
nur durch eine Verringerung der Mastschweineplätze erreichen
lassen, wenn eine weitere Aufstockung der Zuchtsauenbestände
wegen der begrenzten Verfügbarkeit an landwirtschaftlichen Nutzflächen
nicht realisierbar ist.
Die Herausforderungen
und die notwendigen Reaktionen lassen sich recht präzise beschreiben.
Woran es mangelt, ist die Umsetzung. Es ist schwer zu erklären,
weshalb dieser Zweig der agrarischen Produktion im Gegensatz zu den
Niederlanden und Dänemark oder auch zur Geflügelwirtschaft
selbst in den Zentren so zögerlich darangeht, die Organisationsstrukturen
zu verändern. Sind es das Ausruhen auf den Erfolgen der Vergangenheit,
eine Fehleinschätzung der eigenen Position in einem sich schnell
verändernden ökonomischen Umfeld oder der Mangel an Führungspersonen,
die in der Lage sind, bestehende Ideen umzusetzen? Man sollte sich jedoch
nicht der Täuschung hingeben, dass man beliebig viel Zeit hat,
um zu reagieren. Schon stehen mit der Osterweiterung der EU und der
sich abzeichnenden weiteren Liberalisierung des Agrarhandels im Gefolge
der WTO-Verhandlungen neue Herausforderungen ins Haus, die zu weiteren
Reaktionen zwingen.

|