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Berichte


Fachgespräch bei der Deutschen Vilomix in Neuenkirchen-Vörden
vom 30.11.2006

Dr. König








Geschäftsführer der Deutschen Vilomix, Dr. Karl-Heinz König

Fachgespräch Deutsche Vilomix Neuenkirchen

Mit 24,8 verkauften Läufern pro Sau und Jahr zählt die BEAG Agrar GmbH Behringen in Thüringen zu den Spitzenbetrieben in Deutschland. Das war nicht immer so, wie die Betriebsleiterin Karin Schnabel berichtete. Sie sprach am Donnerstag auf dem Fachgespräch der Deutschen Vilomix in Neuenkirchen zum Thema Fütterungsmanagement als Garant für Spitzenleistung.

Die BEAG Agrar GmbH sei 1991 aus drei LPGs entstanden, erklärte Schnabel. Derzeit stünden etwa 1070 Sauen ab erster Belegung im Betrieb. 1993 sei die Leistung der Tiere bei 13 Ferkeln pro Jahr gewesen. Dank eines konsequenten Managements in der Fütterung und bei der Wasserversorgung habe man die Leistung der Sauen verbessern können.

„Sauen saufen nicht immer genug Wasser, auch wenn sie könnten“, erklärte Karin Schnabel. Um die Wasserversorgung hochtragender und laktierender Sauen sicher zu stellen, beginne die Morgenarbeit stets mit dem Tränken. Die Betreuung der hochtragenden Tiere sei den erfahrensten Frauen vorbehalten, denn die hätten das nötige Fingerspitzengefühl. Gerade für die hochtragenden Sauen und die Dokumentation der Leistungsdaten nähmen sich die Mitarbeiterinnen viel Zeit.

Große Bedeutung misst Karin Schnabel der gezielten Gabe flüssiger Vitaminpräparate an die Sauen zehn Tage vor und sieben Tage nach der Geburt bei. Von einer Dosierung pro Kilogramm Futter hält sie nichts, denn falls die Tiere krankheitsbedingt weniger fräßen, bekämen sie nicht genügend Vitamine. Zehn Tage vor der Belegung und sieben Tage danach bekommen die Tiere noch einmal Vitaminpräparate, denn gute Bedingungen am Anfang der Trächtigkeit seien wichtig für große Ferkel bei der Geburt, so die Expertin. Bei den untergewichtigen Ferkeln und in der Ferkelqualität habe man damit deutliche Verbesserungen erzielt. Den Rückgang der Abgangsursache wegen Fruchtbarkeitsstörungen führt sie auch darauf zurück.

Zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens trage auch die niedrige Remontierungsquote von 55 Prozent und die Altersstruktur des Bestandes bei. Im Betrieb gibt es nach den Angaben Schnabels etwa zehn Prozent Sauen mit einer Lebensleistung von sieben bis zwölf Würfen. Die Würfe der Altsauen seien zwar kleiner, brächten aber kräftige Ferkel. In der Zahl der abgesetzten Ferkel pro Wurf stünden die Altsauen mit 10,2 Ferkeln den Jungsauen mit 10,8 Ferkeln nicht viel nach.

Der Tierarzt Dr. Erwin Sieverding aus Lohne sprach über besondere Herausforderungen in der Schweinehaltung aus veterinärmedizinischer Sicht. Anhand mehrerer Fallbeispiele zeigte er, dass Erkrankungen in Ferkel- und Schweinemastbeständen nicht nur eine Frage des Vorhandenseins von Krankheitserregern ist. Blasse, kümmernde Ferkel und selbst massive Entzündungen der Lunge, des Brustfells, des Darms, des Herzbeutels und der Gelenke hätten ihre Ursache nicht immer primär in Krankheitskeimen. Unterkühlung während der Ferkelaufzucht könne diese Erkrankungen nach sich ziehen, wobei es nach den Worten Dr. Sieverdings nicht immer einfach ist, die Unterkühlung festzustellen. In einem Fall hatte ein neuer Mitarbeiter in einem Sauenbetrieb am Tag vor dem Absetzen die Gasstrahler ausgeschaltet, damit es beim Absetzen nicht so warm sei. Nur durch Zufall hatte der Betriebsleiter bei einem Rundgang abends festgestellt, dass die Ferkel eng beieinander lagen und offensichtlich Wärme suchten.

In einem anderen Fall führten veränderte Produktionsbedingungen zu Problemen. Die Nachfrage nach größeren Ferkelpartien hatte einen veränderten Abferkelrhythmus erfordert, so Dr. Sieverding. Kümmernde Tiere, erhöhte Ausfälle und ein erhöhter Medikamenteneinsatz seien die Folge gewesen. Über Monate waren die Leistungen des Betriebes immer schlechter geworden. Schließlich habe sich herausgestellt, dass die Heizplatten für die neuen Produktionsbedingungen nicht mehr ausreichten und die Ferkel an Unterkühlung litten. Unterkühlung war auch die Folge, als ein Betriebsleiter 125-Wattlampen anstelle von 250-Wattlampen gekauft hatte, um Energiekosten zu sparen. Innerhalb eines Jahres hatte er etwa 30 Prozent der Lampen ausgetauscht und die abgestrahlte Wärme reichte nicht mehr aus.

Das richtige Futter in einer falschen Lebensphase kann ebenso zu Problemen führen. Der Tierarzt schilderte einen Fall, bei dem an 8 bis 15 Kilogramm schwere Ferkel irrtümlich Futter verabreicht worden war, dass für ein Lebendgewicht von 15 bis 25 Kilogramm konzipiert worden war. Die Ferkel entwickelten sich dementsprechend schlecht. Aufgefallen war der Fehler, weil die Futterkosten des Betriebes überraschend niedrig waren. Ein zu niedrig dosiertes Desinfektionsmittel kann ebenso Ursache für plötzlich auftretende Probleme im Bestand sein.

Bei der Forschung nach den Ursachen plötzlicher Leistungseinbrüche empfahl Dr. Sieverding daher, immer auch betriebliche Veränderungen zu berücksichtigen. Brunnenwasser solle man im Übrigen zweimal jährlich untersuchen lassen und berücksichtigen, dass bei Stallreinigungsarbeiten große Wassermengen benötigt werden. Unter diesen Umständen könne der Brunnen einen anderen Zulauf bekommen, eventuell stamme das Wasser sogar aus Sickerwasser, was auf die Wasserqualität Einfluss habe.

Prof. Dr. Volker Potthast, Vorsitzender der Normenkommission für Einzelfuttermittel im Zentralausschuss der deutschen Landwirtschaft, sprach über den Aufbau und Zweck der Positivliste für Einzelfuttermittel. Die Positivliste sei ein freiwilliger Beitrag der Wirtschaft zur Futtermittelsicherheit und werde jedes Jahr aktualisiert. Die Liste enthalte all das, was zur Fütterung gelangen kann. 75 Prozent der gelisteten Futter seien Produkte, die auf den landwirtschaftlichen Betrieben selber erzeugt werden. Alle aufgenommenen Einzelfuttermittel seien klar definiert und beschrieben, und ihre Unbedenklichkeit für Mensch und Tier sei gegeben.

Foto der Tagung

Foto (v.l.): Prof. Dr. Volker Potthast, Dr. Martin Pries, Karin Schnabel, Dr. Karl-Heinz König (Geschäftsführer Deutsche Vilomx), Dr. Edgar Schulz (Diskussionsleiter der Veranstaltung); es fehlt Dr. Erwin Sieverding

Tagungsfolge
10.00 Uhr Begrüßung der Teilnehmer
Dr. Karl-Heinz König
10.20 Uhr

Positivliste für Einzelfuttermittel
- Ein freiwilliger Beitrag der Wirtschaft zur Futtermittelsicherheit -
Prof. Dr. Volker Potthast
- Vorsitzender der Normenkommission für Einzelfuttermittel im Zentralausschuss der deutschen Landwirtschaft -

11.30 Uhr

Steuerung der Milchinhaltsstoffe durch konjugierte Fettsäuren
Dr. Martin Pries
- Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen -

12.30 Uhr Mittagessen
14.15 Uhr

Fütterungsmanagement als Garant für Spitzenleistungen in der Ferkelaufzucht
Erfahrungsbericht aus einer großen Sauenzuchtanlage –
Karin Schnabel
- BEAG Agrar GmbH Behringen -

15.15 Uhr

Besondere Herausforderungen in der Schweinehaltung aus veterinärmedizinischer Sicht
Dr. Erwin Sieverding
- Fachtierarzt für Schweine und Geflügel, Tierärztliche Praxis am Bergweg, Lohne -

Diskussionsleiter:
Dr. Edgar Schulz
- Bundesforschungsanstalt Braunschweig-Völkenrode -

16.15 Uhr

Gemeinsame Kaffeetafel und Gedankenaustausch