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Berichte


Fachgespräch bei der Deutschen Vilomix in Neuenkirchen-Vörden
vom 24.11.2005

Dr. König








Geschäftsführer der Deutschen Vilomix, Dr. Karl-Heinz König

Fachgespräch deutsche Vilomix Neuenkirchen

Neuenkirchen (ssj) – „Die Verluste in der Kälberaufzucht belaufen sich auf 15 Prozent und mehr, aber trotzdem wird über diesen wichtigen wirtschaftlichen Faktor in der Praxis zu wenig gesprochen“, erklärte Dr. Ottmar Eckhardt von der Deutschen Vilomix. Er sprach am Donnerstag beim Fachgespräch der Deutschen Vilomix im Saal der gaststätte Otte in Neuenkirchen zum Thema erfolgreiche Kälberaufzucht.

In den ersten beiden Lebenswochen seien es Durchfallerkrankungen, die zu den Verlusten führen. Zum Teil seien sie erregerbedingt, aber sie würden auch durch Fütterungsfehler wie zu kalte oder zu heiße Kälbermilch, zu große Portionen und unzureichende Hygiene bei der Tränkevorrichtung verursacht, so Dr. Eckhardt. Atemwegserkrankungen, die vor allem nach den ersten beiden Lebenswochen eine Rolle spielen, könne man mit einem guten Stallklima vorbeugen, so der Experte. In jedem Fall sei es wichtig, die Immunität der Kälber zu stärken, damit sie mit Infektionen besser fertig werden können. Dies beginne mit einer guten Geburtsvorbereitung der Kuh. Innerhalb von drei Stunden nach der Geburt müsse das Kalb Biestmilch getrunken haben, damit die darin enthaltenen Antikörper einen guten Immunschutz liefern. Dr. Eckhardt empfahl, Biestmilch gesunder Kühe einzufrieren, damit sie bei Bedarf zur Verfügung stehe. Die Aufzucht gesunder Kälber sei die Grundlage für einen leistungsfähigen Rindviehbestand, so Dr. Eckhardt.

„Salmonellen sind überall, und es wird nicht möglich sein, in der Mast komplett frei davon zu bleiben“, sagte Dr. Hendrick Nienhoff vom Schweinegesundheitsdienst Hannover. Es seien überwiegend Stämme von Salmonella typhimorium, mit denen sich die Tiere hier auseinandersetzen. Die Anzahl der positiven Proben sei in den letzten Jahren angestiegen, aber: Ein positiver Befund bedeute nur, dass das Tier sich irgendwann mit Salmonellen auseinandergesetzt habe und nicht, dass es krank sei.

Salmonellen würden hauptsächlich über Personal und andere Tiere in den Betrieb eingetragen, aber kaum über das Futter, so Dr. Nienhoff. Sie seien langlebig und könnten auf glatten Metalloberflächen bis zu 14 Tagen, in Staub sogar bis zu 4 Jahre überleben. Mit konsequenten Hygienemaßnahmen, die auch das Reinigen von Fensterbänken und schwer zugänglichen Ecken umfasst, könnte die Zahl der positiven Befunde gemindert werden. Gröbere Futter und der Zusatz von Säuren würden dafür sorgen, dass deutlich weniger Salmonellen durch den Magen in den Darm gelängen.

Säuren sind nach der neuen Futtermittelhygiene-Verordnung Konservierungsmittel, erfuhren die Zuhörer von Dr. Ingrid Höhn vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aus Potsdam. Auch wenn ihr Zusatz aus gesundheitlichen Gründen in vielen Fällen geboten ist, muss sich ein Landwirt, die sie auf seinem Hof dem selbst gemischten Futter oder auch dem Grundfutter für Wiederkäuer zusetzt, ab nächstem Jahr wie ein Futtermittelunternehmer nach Anhang II der Verordnung registrieren lassen. Ausgenommen sind die Zusatzstoffe, die als Silierhilfsmittel zugelassen sind. Ob die Landwirte, auf die dies zutrifft, in Zukunft auch eine Finanzgarantie geben müssen, sei von der EU noch nicht beschlossen. „Diese Verordnungen entstehen an den Schreibtischen in Brüssel, und oft aus vielen Kompromissen“, räumte Dr. Höhn ein.

Über die Bedeutung der Aminosäuren Threonin und Tryptophan sprach Prof. Dr. Klaus Eder von der Martin-Luther-Universität aus Halle. Beide Aminosäuren sind für Schweine essentiell, das heißt sie müssen über das Futter aufgenommen werden. Tryptophan als Vorstufe des Botenstoffs Serotonin habe eine wichtige Funktion bei der Regualtion der Futteraufnahme, sagte der Redner. Nach eigenen Untersuchungen nehmen die Tiere weniger Futter auf, wenn nicht genügend Tryptophan zugeführt wird. Die Folge davon sei, dass das Leistungsvermögen der Tiere nicht ausgeschöpft werde. Threonin sei wichtiger Bestandteil des Immunsystems und der im Darm gebildeten Schleimstoffe. Für einen funktionierenden Darm und ein intaktes Immunsystem seien die beiden Aminosäuren unerlässlich. Der Bedarf, den der Wissenschaftler in eigenen Versuchen ermittelt hat, liegt über den heute allgemeingültigen Empfehlungen.

Gruppenbild v.l.: Dr. Ottmar Eckhardt, Dr. Ingrid Höhn, Dr. Edgar Schulz (Diskussionsleiter der Veranstalltung), Prof. Dr. Klaus Eder
Foto: (v.l.) Dr. Ottmar Eckhardt, Dr. Ingrid Höhn, Dr. Edgar Schulz (Diskussionsleiter der Veranstaltung), Prof. Dr. Klaus Eder

Tagungsfolge
10.00 Uhr Begrüßung der Teilnehmer
Dr. Karl-Heinz König
10.20 Uhr Kälberaufzucht mit Erfolg
- Besonderheiten, Probleme und Lösungen -
Dr. Ottmar Eckhardt
– Deutsche Vilomix Tierernährung GmbH –
11.30 Uhr Salmonellen - Die Last mit den positiven Befunden
Dr. Hendrik Nienhoff
– Fachtierarzt für Schweine, Schweinegesundheitsdienst LWK Hannover –
12.30 Uhr Mittagessen
14.15 Uhr

Futtermittelhygieneverordnung
und Lebensmittelsicherheit
– Konsequenzen für landwirtschaftliche Betriebe und Mischfutterhersteller –
Dr. Ingrid Höhn
– Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Potsdam –

15.15 Uhr Aktuelle Ergebnisse zur Threonin- und
Tryptophanversorgung bei Ferkeln und Mastschweinen
Prof. Dr. Klaus Eder
– Institut für Ernährungswissenschaften, Halle/ Saale –

16.15 Uhr

Gemeinsame Kaffeetafel und Gedankenaustausch

Diskussionsleiter:
Dr. Edgar Schulz
– Bundesforschungsanstalt Braunschweig –

Kaffeetafel


Dr. König