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Propionsäure
Propionsäure - Feuchtgetreidekonservierung

Feuchtgetreidekonservierung mit Propionsäure

In vielen Veredelungsbetrieben ist die Säurekonservierung des Feuchtgetreides mittlerweile Standard. Durch die feuchte Witterung wird diese Art der Konservierung in dieser Ernte sicher noch stärkere Verbreitung finden. Zur chemischen Getreidekonservierung können neben organischen Säuren wie z. B. Propionsäure auch Natronlauge und Harnstoff eingesetzt werden, wobei mit Natronlauge bzw. Harnstoff behandeltes Getreide ausschließlich an Wiederkäuer verfüttert werden darf.

Die Säurekonservierung, deren Wirkungsprinzip die Unterdrückung schädlicher Mikroorganismen ist, besticht durch ihre Schlagkraft und die guten hygienischen Eigenschaften des Endproduktes. Denn letztendlich kommt es in der Ernte darauf an, das Getreide möglichst schnell lagerstabil zu machen. Eine sichere Lagerung ist nur bei einer Feuchte unter 15 % und einer Temperatur von unter 15° C gewährleistet.   Ein weiterer Vorteil der Säurekonservierung besteht darin, dass keine Atmungsverluste auftreten. Gegenüber der Trocknung ist der Investitionsaufwand gering, allerdings liegen die variablen Kosten höher.

Zur Mindestausstattung gehören ein Dosiergerät und eine Rohrschnecke, in der das Aufsprühen und Anmischen der Säure erfolgt. Die dem Getreide anhaftenden Mikroorganismen werden abgetötet bzw. deren Vermehrung verhindert, darüber hinaus kommen die enzymatischen Umsetzungsprozesse im Korn zum Erliegen. Propionsäure wirkt bakteriostatisch und fungizid. Durch einen Zusatz von 2 % zu Getreide mit Kornkäferbefall stirbt der größte Teil der Kornkäfer ab. Bereits eine Dosis von 0,5 bis 1 % beugt dem Insektenfraß vor. Wichtig ist, dass in Abhängigkeit von der Kornfeuchtigkeit und der Lagerdauer eine ausreichende Dosierung und exakte Anmischung der Säure erfolgt. Nachfolgend sind die notwendigen Mengen an Propionsäure dargestellt.

Propionsäuremengen in Abhängigkeit von der Kornfeuchte und der Lagerdauer
- Angaben in % (= l/dt Frischgetreide) -


Konservierungsdauer

Bei der Gebläseförderung ist ein Zuschlag von mindestens 10 % erforderlich, weil ein Teil der Säure durch den Luftstrom weggerissen wird. Bei hohen Temperaturen ist eine Erhöhung der Aufwandmenge von 10 % sinnvoll, weil bei Hitze Säure verdampfen kann. Grundsätzlich sollten nur Säureprodukte eingesetzt werden, für die eine Dosiertabelle vorliegt.

Die flüssige Säure wird über zwei oder mehr im unteren Bereich der Rohrschnecke montierte Düsen auf das Getreide aufgesprüht, wobei die Anzahl der Düsen an die Leistungsfähigkeit der Schnecken angepasst sein muss.

Schneckendurchmesser:

< 180 mm
2 - 3 Düsen
 
180 - 200 mm
3 - 4 Düsen
 
> 200 mm
mind., 4 Düsen

Im weiteren Verlauf der schrägstehenden Schnecke (mind. 30°) erfolgt dann die Anmischung an das Korn, wobei es vorteilhaft für eine gleichmäßige Verteilung ist, wenn von der oberen Düse bis zum Auslauf der Schnecke eine Strecke von mindestens 3 m zur Verfügung steht. Der Konservierungsvorgang ist beendet, wenn das behandelte Korn aus der Schnecke herauskommt, wobei die Säure noch ca. eine Stunde benötigt, um in das Korn einzudringen. Durch die Säurekonservierung ist keine Belüftung zur Lagerpflege erforderlich.

Korrosive Wirkung

Da Propionsäure korrosiv wirkt, müssen nach dem Säureeinsatz noch einige dt unbehandeltes Getreide mit der Schnecke gefördert werden. Als Lagerbehälter sind Silos aus verzinktem Blech oder Eisen nur bedingt geeignet. Man bringt entweder einen säurefesten Anstrich auf oder kleidet die Silos mit einer säurefesten Kunststofffolie aus. Bei Feuchtigkeitsgehalten des Getreides unterhalb von 18 % und einem Säurezusatz von 0,65 % kann eine Zwischenlagerung des Getreides von zwei bis drei Stunden die korrosive Wirkung so stark herabsetzen, dass eine Einlagerung möglich ist. Es gibt verschiedene abgepufferte Produkte, z. B. Lupro-Grain, Luprosil NC (Einsatz bis 20 % Feuchte) oder Kofa-Grain- pH 5, die weniger korrosiv, aber zähflüssiger als die reine Propionsäure sind. Beim Einsatz dieser abgepufferten Säureprodukte ist eine höhere Düsenzahl erforderlich, und die maximale Stundenleistung der Schnecke sollte 20 t nicht überschreiten, damit eine sichere Konservierung gewährleistet ist. Neben der Schonung der Fördergeräte und der Silos sind diese Produkte ungefährlicher für den Anwender, weil sie wesentlich weniger ätzen. Sie sind aber teurer und haben den Nachteil, dass die Viskosität (Zähflüssigkeit) stark temperaturabhängig ist. Die Dosierpumpe muss deshalb bei kühlen Morgenstunden anders eingestellt werden als bei hohen Temperaturen am Nachmittag. Hier ist die reine Propionsäure im Vorteil, da das Dosiergerät mit Wasser ausgelitert werden kann.

Ein unbefriedigendes Konservierungsergebnis ist i.d.R. auf eine fehlerhafte Dosierung zurückzuführen. Eine Unterdosierung ist in jedem Fall zu vermeiden. Denn im Laufe der Zeit verdampft ein Teil der Säure, so dass nach einer entsprechenden Lagerdauer das Getreide warm wird, weil die für eine sichere Konservierung notwendige Säurekonzentration unterschritten wird. Hierdurch wird das Pilzwachstum gefördert. Ein weiterer Grund einer nicht erfolgreichen Konservierung kann darin liegen, dass feuchte und trockene Partien in einem Haufen gelagert werden und die Feuchtigkeit aus der feuchten Partie in die trockene Partie wandert und diese dann verdirbt. Deshalb muss die Behandlung in solchen Fällen auch bei trockenem Getreide in gleicher Dosierhöhe erfolgen wie bei der feuchtesten Partie im Stapel. Ein leichte Überdosierung (0,1 bis 0,2 %) ist besonders in kritischen Erntejahren sinnvoll. Ein verdorbenes Produkt kann damit zwar nicht in einen einwandfreien Frischezustand versetzt werden, aber eine weitere Vermehrung der Pilze kann verhindert  werden.

Eine Abdeckung mit Folie darf nicht vorgenommen werden, da sich unter der Folie Schwitzwasser bilden kann. Dadurch kann die oberste Schicht verderben.

Neben Getreidekörnern kann auch geschrotete Ware mit Propionsäure konserviert werden. Dabei wird das Getreide sofort nach der Ernte in CCM-Mühlen geschrotet, mit Säure konserviert und in Flachsilos eingelagert. Bei diesem Verfahren ist ein Festfahren nicht erforderlich. Eine Folie als Witterungsschutz sollte erst nach dem Abkühlen des Getreides aufgelegt werden. Die im Vergleich zu ganzen Körnern größere Oberfläche des Schrotes macht eine Erhöhung der Säuremenge um 40 % erforderlich.

Hinsichtlich der Kosten muss bedacht werden, dass mit Propionsäure behandeltes Getreide praktisch keine Lagerverluste hat und dass Säure etwa doppelt soviel Energie wie Gerste enthält. Hinzu kommt noch eine abtötende Wirkung auf Mikroorganismen, insbesondere Colibakterien, so dass dadurch u.U. eine Leistungsverbesserung eintreten kann. Als Anhaltswert kann mit etwa 2,80 €/dt geschrotetes Getreide incl. Arbeitskosten gerechnet werden.

Quelle: Landwirtschaftskammer Hannover.

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Jürgen Horn
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