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Beitrag aus der Oldenburgischen Volkszeitung vom 30. November 2001 (Teil1) Neuenkirchen (ssj) - Eine starke Wettbewerbsverzerrung und erhebliche Nachteile für die deutsche Schweineproduktion befürchtet Prof. Dr. Steffen Hoy, wenn die EU-Richtlinie über die Mindestanforderungen für den Schutz von Schweinen nicht 1:1, sondern verschärft umgesetzt wird. Prof. Hoy von der Universität Gießen sprach am Donnerstag auf dem diesjährigen Fachgespräch, zu dem die Deutsche Vilomix aus Neuenkirchen eingeladen hatte. Die EU-Richtlinie definiert unter anderem den Mindestflächenbedarf von Ferkeln, Mastschweinen und Sauen und schreibt die Gruppenhaltung tragender Sauen ab der fünften Woche nach dem Belegen vor. Auch wenn rund zwei Drittel aller Betriebe mit Sauenhaltung unter erheblichem Kostenaufwand umbauen müssen, um der Richtlinie zu entsprechen, so sieht Prof. Hoy in diesen Vorgaben einen tragbaren Kompromiss. Allerdings gebe es von Seiten der Bundesregierung ganz klare Bestrebungen, die Bestimmungen zu verschärfen. Dabei werde auf Ländererlasse verwiesen, die zum Teil fachlich nicht begründbare Vorgaben enthalten. "Diese Forderungen sind zum Teil abstrus", erklärte der Fachmann. Es sei damit zu rechnen, dass allein in Nordrhein Westfalen die Sauenzahl um 20 Prozent zurückgehe, sollte es zu einer verschärften Umsetzung der EU-Richtlinie kommen, und das, obwohl Deutschland keine Überproduktion aufweise. Stoffwechselerkrankungen bei Milchkühen stehen in Zusammenhang mit steigenden Leistungen und der Futteraufnahme. Das stellte Dr. Katrin Mahlkow-Nerge von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein in ihrem Vortrag fest, der die Gesunderhaltung der Hochleistungskühe durch gezielte Fütterungsmaßnahmen behandelte. "Etwa 50 Prozent der Kühe werden keine fünf Jahre alt", erklärte Frau Dr. Mahlkow-Nerge den Zuhörern. Ursache seien Gesundheitsprobleme, bedingt durch Stoffwechselstörungen, auf die über die Fütterung Einfluss zu nehmen wäre. Futter bester Qualität und die richtige Vorbereitungsfütterung der Trockensteher seien von entscheidender Bedeutung. Die Expertin empfahl, die Futteraufnahme der Tiere täglich zu kontrollieren, damit der Berater bei der Rationsberechnung nicht von falschen Annahmen ausgehe. Ihr Fazit zur totalen Mischration (TMR) lautete: TMR-Betriebe erfüttern sich die Milch teurer als konventionell fütternde. Beitrag aus der Oldenburgischen Volkszeitung vom 1. Dezember 2001 (Teil2) Neuenkirchen (ssj) - "Wir führen demnächst Eier aus Ländern ein, in denen Hühner mit Tiermehl gefüttert werden und in denen Käfighaltung auch mit Überbelegung erlaubt ist." Prof. Dr. Hans-Wilhelm Windhorst vom Institut für Strukturforschung und Planung in agrarischen Intensivgebieten (ISPA) der Hochschule Vechta sprach am Donnerstag auf dem Fachgespräch der deutschen Vilomix über die Zukunft der Veredelungswirtschaft unter geänderten Rahmenbedingungen. Es sei ein großer Trugschluss zu glauben, dass sich die Eiererzeuger auf die neue Verordnung einstellen, erklärte Prof. Windhorst, denn nach der neuen Verordnung sei mit der Eierproduktion kein Einkommen zu erwirtschaften. Die Betriebe würden abwandern oder aufgeben, und dies werde den Verlust von mindestens 4300 Arbeitsplätzen nach sich ziehen. Eine Vorreiterrolle Deutschlands in der Hühnerhaltung mache somit keinen Sinn, denn sie diene weder dem Tierschutz noch der Produktsicherheit. Um die Länge der Tiertransporte und das Seuchenrisiko zu vermindern, sei es wichtig, in den Zentren der Schweinemast ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sauen- und Schweinemastbeständen anzustreben, meinte Prof. Windhorst. Zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit empfahl er den Aufbau von geschlossenen Produktionssystemen und eine Produktion, die sich eng an den Wünschen der Abnehmer orientiert. Prof. Dr. Josef Kamphues von der Tierärztlichen Hochschule Hannover sprach über fütterungsbedingte Schadensfälle im Schweinebestand. Indizien für Fütterungsfehler seien, wenn viele Tiere, die das gleiche Futter bekommen, plötzlich und gleichzeitig eine verminderte Futteraufnahme oder andere Symptome wie zum Beispiel Verdauungsstörungen, Hautveränderungen, Atemwegserkrankungen oder anderes zeigen. Eine Sinnenprüfung durch Riechen und Schmecken gebe Hinweise, ob die Ursachen im Futter zu suchen seien, erklärte Prof. Kamphues. Um Fütterungsfehler zu vermeiden solle der Landwirt eine Checkliste für den eigenen Betrieb erstellen, die das Augenmerk für Schwachstellen schule, empfahl der Wissenschaftler. Zugekauftes Futter solle man sporadisch kontrollieren. "Routine macht betriebsblind", erklärte er abschließend und riet den Zuhörern, sich auch durch betriebsfremde Personen kontrollieren zu lassen. Sie können sich
den Pressebericht der OV auch als PDF-Datei herunterladen. |