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Die Gebärparese-/Milchfieber-Erkrankung
ist die am häufigsten anzutreffende Stoffwechselerkrankung
in Hochleistungsherden, die hauptsächlich durch Haltungs-
und Fütterungsfehler im letzten Laktationsdrittel und während
der Trockenstehzeit hervorgerufen bzw. begünstigt wird. Die
Kuh scheidet unmittelbar nach der Kalbung mit jedem Liter Kolostrum
2,5 g Kalzium und 2 g Phosphor aus. Die im Blut enthaltenen Mineralstoffmengen
reichen hierfür bei weitem nicht aus. Deshalb müssen
die Tiere eigene Kalzium- und Phosphorreserven mobilisieren. Werden
sie darauf aber nicht ausreichend vorbereitet, erkranken sie nach
dem Kalben an Milchfieber. Mit steigender Milcheinsatzleistung,
zunehmendem Alter und sinkender Futteraufnahme (häufig besonders
durch zu hohe Körperkondition) sowie herabgesetzter Magen-Darm-Bewegung
zur Zeit der Geburt wird die Gefahr, an Milchfieber zu erkranken,
für die Kühe größer.
Dabei sind neben den bei festliegenden Kühen sichtbaren Schäden
(Tierarztkosten, häufigere Mastitiserkrankungen, Ketosen,
Puerperalstörungen, höherer Besamungsaufwand, geringere
Milchleistung) die Schäden im Zusammenhang mit der subklinischen
Hypokalzämie/Hypophosphatämie wesentlich größer,
da diese Form der Erkrankung nicht augenscheinlich ist, weil die
Tiere nicht festliegen. Aber auch hier sinken die Blutkalzium-
und -phosphorkonzentrationen ab, und die motorische Funktion der
Muskulatur ist eingeschränkt. Infolge dessen wird das Auftreten
von Fruchtbarkeits- und Stoffwechselstörungen sowie Labmagenverlagerungen
begünstigt. Auf diese Art und Weise erkranken wesentlich
mehr Tiere.
Prophylaxemaßnahmen gegen die Gebärparese können
somit auch das Auftreten von Nachgeburtsverhaltungen, Fruchtbarkeits-
und Stoffwechselstörungen reduzieren und damit den Gesundheitszustand
der gesamten Herde stabilisieren. Daraus wird die Bedeutung prophylaktischer
Maßnahmen sichtbar. Die gebräuchlichste Maßnahme
ist eine kalziumarme Fütterung während der letzten 2-3
Wochen der Trockenstehzeit (Transitphase) bzw. der gezielte, einzeltierbezogene
Einsatz entsprechender Kalziumpräparate kurz vor der Abkalbung.
BEEDE (1992) beurteilt allerdings das Risiko erhöhter Kaliumgehalte
in Rationen trockenstehender Kühe für das Auftreten
von Milchfiebererkrankungen wesentlich höher als hohe Kalziumkonzentrationen
im Futter. Das würde bedeuten, dass trockenstehende Kühe
nicht nur kalzium-, sondern vor allem auch kaliumarm versorgt
werden müssen. Aus diesen Gründen sollten keine kalziumhaltigen
Mineralstoffmischungen, Zuckerrübenschnitzel (kalziumreich),
Melasse (kaliumreich) oder Milchleistungsfutter mit überhöhten
Kalziumgehalten in dieser Zeit eingesetzt werden.
In vielen, meistens kleineren Betrieben wird diese Forderung aber
aus verschiedenen Gründen nicht erfüllt. So weisen besonders
in absoluten Grünlandgebieten die Grassilagen häufig
höhere Kaliumgehalte auf, da die organischen Dünger
auf den Schnittflächen ausgebracht werden müssen. Weiterhin
werden aus organisatorischen und arbeitswirtschaftlichen Gründen
keine Silagemieten mit geringerem Kaliumgehalt speziell für
die Transitkühe angelegt oder angeschnitten. So kommen also
einerseits häufig kaliumreiche Grassilagen zum Einsatz und
andererseits erhalten "Transitkühe" oft ebenfalls
die Futterration der hochleistenden, laktierenden Kühe -
mit entsprechend kalziumreicher Mineralstoffergänzung.
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