|
So ergaben
sich zwischen den Versuchs- und Kontrolltieren Unterschiede im
Konzentrationsniveau des ionisierten Kalziums im Vollblut. Das
ionisierte Kalzium ist der für die Stabilität des Stoffwechsels
relevante Anteil des Gesamtkalziums im Blut. Die Konzentration
des ionisierten Kalziums beträgt normalerweise 1,20 bis 1,25
mmol/l Blut und sollte auch in der schwierigen Kalbephase den
Schwellenwert von 1 mmol/l möglichst nicht unterschreiten.
Je tiefer dieser Wert nach der Kalbung fällt, desto schwerer
werden die Milchfiebersymptome. Bei Werten unter 1 mmol/l Blut
ist also die Kalziumversorgung nicht mehr optimal, und subklinische
Symptome wie Muskelschwächen, Taumeln etc. werden immer wahrscheinlicher.
Im Bereich von 0,8 bis 0,7 und darunter beginnen Tiere festzuliegen.
Für die Versuchstiere wurden während des gesamten Zeitraumes
von 1 Tag vor bis 3 Tage nach der Kalbung höhere Blutkalziumionenkonzentrationen
ermittelt als für die Tiere, die kein saures Salz erhielten.
Dieses Ergebnis deckt sich mit denen zahlreicher anderen Autoren
wie OETZEL et al. (1988), GOFF et al. (1991), TUCKER et al. (1992),
PHILLIPPO et al. (1994) sowie GOFF und HORST (1997), BEENING (1998).
Die niedrigste Kalziumkonzentration im Blut wurde zwischen den
Tieren beider Gruppen zu verschiedenen Zeitpunkten ermittelt.
So erreichten die Versuchstiere am Tag der Geburt den Tiefstwert
mit 1,03 mmol/l. Dieser blieb bis zum 2.Tag nach der Kalbung relativ
stabil und stieg danach wieder an. Die Kalziumionenkonzentration
im Blut der Kontrolltiere betrug am Tag der Kalbung 1,00 mmol/l,
sank danach aber weiter ab, um am 2.Tag nach der Kalbung einen
Tiefstwert von 0,92 mmol/l zu erreichen, also unter den physiologischen
Wert, der nach KRAFT und DÜRR (1997) im Zeitraum von 1 Tag
vor bis 2 Tage nach der Kalbung 1mmol/l beträgt.
Diese Erscheinung einer zeitlichen Verschiebung der niedrigsten
Kalziumkonzentration wurde bereits von LECLERC und BLOCK (1989)
beobachtet, allerdings ermittelten die Autoren bei reduzierter
DCAB einen späteren Zeitpunkt des Tiefstwertes (DCAB: +121
meq/kg T, 60 h p.p.) gegenüber einer hohen DCAB (+394 meq/kg
T, 12 h p.p.). Die Versuchstiere erreichten schneller wieder eine
Stabilisierung der Werte und hatten letztlich ihren Kalziumhaushalt
besser unter Kontrolle als die Kühe der Kontrollgruppe.
Auch anhand des Blut-pH-Wertes wurde eine milde metabolische Acidose
der Versuchstiere sichtbar und damit ein ansäuernder Effekt
des sauren Salzes erkennbar. Da die zuverlässige Messung
von Blut-pH-Werten allerdings aufgrund der engen physiologischen
Grenzen genaue Analysengeräte erfordert und der Wert unmittelbar
nach der Entnahme bestimmt werden muss, eignet sich die Messung
dieses Parameters nicht für die praktische Rationskontrolle.
Dem gegenüber kann mit geringem Aufwand die Netto-Säuren-Basen-Ausscheidung
(NSBA) ermittelt und damit die Wirksamkeit von sauren Salzen überprüft
werden, da zahlreichen Literaturhinweisen zufolge eine große
Beeinflussung dieses Parameters durch den Gehalt an starken Kationen
und starken Anionen vorliegt. Durch eine Anionenzulage in der
Ration soll eine metabolischen Acidose bewirkt werden, bei welcher
die homöostatischen Mechanismen des Säuren-Basen-Haushaltes
den physiologischen Blut-pH aufrechterhalten (PEHRSON et al.,
1999).
|