|

4 / 27
Die Experten gehen
übereinstimmend davon aus, dass nur der geringere Teil des globalen
Nachfragezuwachses durch den weiter zunehmenden internationalen Handel
bedient werden wird, der weitaus größte Teil durch eine Ausweitung der
Agrarproduktion vor Ort. Allerdings wird der Handel höhere prozentuale
Steigerungsraten aufweisen.
Wenn die Produktion
vor allem an den Standorten des Nachfragezuwachses ausgedehnt wird,
so bedeutet dies in der Konsequenz, dass der Anteil der Entwicklungs-
und Schwellenländer an der Welterzeugung von Nahrungsmitteln tierischer
Herkunft deutlich zunehmen wird. Die Marktanalysten gehen davon aus,
dass unter den Industrieländern vor allem Nordamerika in der Lage sein
wird, durch Exportsteigerungen von der zunehmenden Weltnachfrage nach
Lebensmitteln tierischer Herkunft zu profitieren. Demgegenüber wird
für Europa eher eine Stagnation erwartet.
Mit diesen prognostizierten
Trends werden im Wesentlichen die Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit
fortgeschrieben. Exemplarisch wird dies in den Tabellen 2 bis 4 zum
Ausdruck gebracht:
- Bei Schweinefleisch
weisen Afrika, Südamerika und Asien mit Wachstumsraten über 3,5 %
p. a. überdurchschnittlich hohe Zuwächse auf. Da Afrika von einem
sehr niedrigem Niveau startet, fällt dies mengenmäßig kaum ins Gewicht.
Nordamerika hat zwar mit 2,1 % nur eine leicht unterdurchschnittliche
Wachstumsrate, doch fällt das mengenmäßige Wachstum wegen des hohen
Ausgangsniveaus deutlich höher aus als in Südamerika (Tabelle 2).
- Sowohl in der
Schweine- als auch in der Eierproduktion ist China der mit weitem
Abstand bedeutendste Standort. Voraussichtlich wird bereits in naher
Zukunft jedes zweite Schwein der Erde in China stehen. Deutschland
ist sowohl in der Schweine als auch in der Eierproduktion unter den
Top Ten vertreten, jedoch als einziger westlicher Standort mit negativen
Wachstumsraten. Bei der Interpretation müssen allerdings die Sondereinflüsse
der deutschen Einheit (starke Rückführung der ostdeutschen Tierbestände
nach 1990) berücksichtigt werden (Tabelle 3).
- Der Welthandel
mit Schweinefleisch wird voraussichtlich doppelt so schnell wachsen
wie die Welterzeugung. Da aber nur ein sehr kleiner Teil (3 %) der
Welterzeugung international gehandelt wird, dürfen die großen Steigerungsraten
für den Handel nicht überbewertet werden. Der weitaus größte Teil
des Nachfragezuwachses wird auch künftig nicht über den zunehmenden
internationalen Handel befriedigt, sondern durch Expansion der Erzeugung
vor Ort. Die zunehmende Importnachfrage wird vor allem in Ostasien
und Russland entstehen, und sie wird den FAPRI-Projektionen zufolge
fast ausschließlich durch Exportzuwächse in Kanada und den USA gedeckt
werden (Tabelle 4).
|