Themen zur Tierernährung
1 / 14

Dr. Hesse

FAL

Neue Fütterungstechniken in der Schweinehaltung

von Dr. sc. agr. Dirk Hesse
Institut für Betriebstechnik und Bauforschung
der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL),
Bundesallee 50, 38116 Braunschweig

1.0 Einleitung
Die Fütterungstechnik hat erheblichen Einfluss auf die Tiergerechtheit und die Wirtschaftlichkeit der Schweinehaltung. Verschiedene Varianten von Fütterungstechniken sollen vorgestellt sowie entsprechende Hinweise zum Praxiseinsatz und Management gegeben werden. Zahlreiche Forschungsarbeiten haben sich mit der Fütterung beschäftigt. Daraus, und aus Praxiserfahrungen abgeleitet, sind u. a. in der Schweinehaltungsverordnung eine Reihe von Vorgaben zur tiergerechten Fütterung festgelegt worden. Eine wesentliche Entscheidungshilfe im Bereich der Fütterungstechnik können die Ergebnisse der DLG-Gebrauchswertprüfung liefern.

2.0 Was ist aus Sicht des Tieres zu beachten ?
Eine in allen Belangen tiergerechte Haltungs- bzw. Fütterungstechnik gibt es leider nicht, es gilt daher, einen sinnvollen Kompromiss zu finden. Dazu ist jedoch wichtig zu wissen, welche Anforderungen aus Sicht des Tieres überhaupt bestehen und welche davon aus Sicht des Tieres wichtiger bzw. weniger wichtig sind. Zu diesem Zweck können Schweine befragt werden; dazu sind insbesondere drei Methoden geeignet. Die sogenannte "Motivationsanalyse", Vergleichsversuche und Wahlver-suche.

Bei der Motivationsanalyse wird dem Tier z. B. beigebracht, einen Knopf zu betätigen, wenn es ein bestimmtes Ziel erreichen will. Auf diese Art zeigen uns die Schweine z. B., dass Futter absolut wichtig ist. Aus Sicht des Tieres dürfte somit die Art der Fütterung einen großen Einfluss auf die Tiergerechtheit der Schweinehaltung überhaupt haben. Die Bewegung hingegen wird offensichtlich als relativ unwichtig angesehen, solange sich Futter und Wasser in unmittelbarer Nähe zum Liegebereich befinden. Stroh am Boden -und zwar zum Wühlen- ist offensichtlich weitaus attraktiver als Stroh in einer Raufe. Stroh zur Beschäftigung ist auch wichtiger als der Kontakt zum Sozialpartner (BOLLMANN, 1991).

Doch wie sollte nun eine möglichst tiergerechte Fütterung gestaltet werden? Bleibt den Schweinen die Wahl der Fresszeiten selbst überlassen, so findet die Futteraufnahme hauptsächlich zwischen 6:00-9:00 Uhr und 15:00 bis 18:00 Uhr statt. Wachsende Schweine legen gern nachts ein bis zwei kürzere Fresszeiten ein (VON ZERBONI und GRAUVOGL, 1984). Bei heißem Wetter fressen Schweine lieber an kühleren Tagesstunden, wie z. B. am Abend oder frühen Morgen (STUHEC, 1984). Die Menge des aufgenommenen Futters ist von der Konsistenz des Futters, dem Alter der Tiere, der Gruppengröße und der Stalltemperatur abhängig (SCHEIBE, 1987). Nassfutter wird von Mastschweinen im Vergleich zu Trockenfutter bevorzugt aufgenommen (PERCHERT, 1970).

Seiten:
1
9 10 11 12 13 14 weiter lesen...

Zurück